Der abenteuerliche Simplicissimus – Stückinfo

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Fürwahr – die Wiedergeburt eines barocken Helden ist da! Sie ist gar trefflich gelungen und jedem, der bei der Premiere dabei war, tief in die Seele gedrungen: „Der abenteuerliche Simplicissimus“ darf frei nach seinem literarischen Schöpfer Grimmelshausen und dank der bravourösen Inszenierung des Chawwerusch-Theaters in Herxheim sein verwegenes Leben noch einmal erzählen und neben den Einblicken in seine kriegsgesättigte Welt auch kluge Kommentare zu unserer Zeitgeschichte abgeben.” (Brigitte Schmalenberg in der Premierenkritik von DIE RHEINPFALZ)

Chawwerusch bietet in „Der abenteuerliche Simplicissimus“ Theater für alle Sinne. Die Zuschauer sehen einen Narren, hören das Gelächter der anderen, fühlen den Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs, riechen am Pulverdampf von Verdun und schmecken die Lust.

Ein naives glückliches Kind, wächst in der Idylle eines Bauernhofs auf. Eines Tages brennen Soldaten das Haus nieder und vernichten so diesen friedlichen Ort. Ein Einsiedler nimmt den Buben auf und gibt ihm den Namen „Simplicius“. Er unterrichtet den Jungen und gibt ihm drei wichtige Lebensregeln mit auf den Weg: „Erkenne dich selbst. Meide böse Gesellschaft. Bleibe den Menschen ein Mensch.“

„Simplicius Simplicissimus“ von Jakob Christoffel von Grimmelshausen, entstanden im 17. Jahrhundert, gilt als der bekannteste deutsche Schelmenroman. In einer Mischung aus biographischer Erzählung und abenteuerlicher Erfindung berichtet Grimmelshausen vom Leben eines einfachen (simplen) Menschen, der manchmal einfältig, aber meist weise durch die Welt des Dreißigjährigen Kriegs irrt und sich nicht beirren lässt. Thomas Mann sagte über den Roman: „Bunt, wild, roh, amüsant, verliebt und verlumpt, kochend von Leben, mit Tod und Teufel auf Du und Du, zerknirscht am Ende und gründlich müde in einer in Blut, Raub, Wollust sich vergeudenden Welt.
Es ist also ein Stoff wie er zum 30. Geburtstag des Chawwerusch Theaters und zum Kultursommerthema „Mit allen Sinnen“ nicht besser passen könnte.

Der Autor hat zusammen mit seinem Dramaturgen den gewaltigen Stoff eingedampft, verdichtet und für das Theater bearbeitet. Dabei folgen die beiden der bildhaften Sprache der Vorlage, machen sie aber für heute verstehbar. Der Antiheld stolpert in der Chawwerusch-Fassung durch eine globale Welt des immerwährenden Krieges, ohne sich auf Dauer allzu sehr davon beeindrucken zu lassen. Das hört sich dramatisch an, ist es auch immer wieder, doch stets gewinnt pralle Lebenslust, Witz und Abenteuer die Oberhand. So wird das Theaterstück zu einer Achterbahnfahrt großer Gefühle.
„Der abenteuerliche Simplicissimus“ ist eine Art barockes Road-Movie, sprachlich opulent, verspielt und tiefgründig, interessant für Neugierige und Kenner.

Es spielen
Felix S. Felix
Ben Hergl
Thomas Kölsch

Regie und Buch
Walter Menzlaw

Autoren
Walter Menzlaw und Michael Bauer inspiriert von Improvisationen
mit Felix S. Felix, Ben Hergl, Monika Kleebauer, Thomas Kölsch
frei nach dem Schelmenroman von Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen

Dramaturgie, Liedtexte, Verse
Michael Bauer

Bühnen- und Kostümbild
Franziska Smolarek

Schneiderarbeiten
Sabine Bellaire

Komposition
Ben Hergl

Sprachgestaltung und Stimmbildung
Sieglinde Eberhart

Regieassistenz
Gabi Kolain

Licht- und Tontechnik
Patrick Frautschi
Reinhard Blaschke
Patrick Massler