Der Lavendel der Langgässer
von Ro Tritschler
Ein Stück (Nach-)Kriegsgeschichte, eine intelligente Gesellschaftsstudie, ein spannendes Dichterporträt, vor allem aber das Herantasten an eine hochkomplexe Mutter-Tochter-Beziehung bündeln sich in Ro Tritschlers ergreifendem Stück „Der Lavendel der Langgässer" … Dem Publikum stockte der Atem, bevor sich Dank und Anerkennung in aufbrandendem Beifall Bahn brachen… (DIE RHEINPFALZ)
Zwischen 1945 und 1955 galt Elisabeth Langgässer als eine der bedeutendsten Literatinnen Deutschlands. In der grausamen Arithmetik der Nazis als „Halbjüdin“ eingestuft, hatte sie während des Nationalsozialismus Publikationsverbot.
In Alzey geboren, verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre 1948-1950 in Rheinzabern, nachdem sie und ihre Familie mit dem sprichwörtlich letzten Zug aus dem belagerten Berlin entkommen konnten.
Als Lorle, eine junge Frau aus Rheinzabern, morgens in den Zug steigt, ahnt sie nicht, dass sie bald aus der beschaulichen dörflichen Idylle herausgerissen und Zeugin einer der tragischsten Mutter-Tochter-Beziehungen der Nachkriegszeit wird.
Elisabeth Langgässer erwartet am selben Bahnsteig ihre Tochter Cordelia. Die Tochter hat Auschwitz überlebt und nun treffen sich Mutter und Tochter nach fünf Jahren der Trennung wieder. Beide ersehnen diese Begegnung. Und doch belastet etwas Dunkles das Wiedersehen. Lorle und mit ihr das ganze Dorf werden langsam hineingesogen in die Geschehnisse. In der Kirche, beim Friseur und im Wirtshaus, überall scheint die Sternguckerin, wie die Dorfbewohner die Langgässer nennen, präsent zu sein. Bis auch das Dorf sich die Frage stellen muss: Vergessen oder erinnern? Verschweigen oder verzeihen? Und kommt es tatsächlich soweit, dass nur noch der Gartenzwerg im Wirtshaus Hubertus die Antwort weiß?
Mit dieser Produktion präsentiert das Chawwerusch Theater einen außergewöhnlichen Blick auf Zeitgeschichte, von Ro Tritschler sorgfältig recherchiert und spannend in Szene gesetzt.
Bei aller Tragik entfaltet „Der Lavendel der Langgässer“ aber auch eine zarte, unaufdringliche Komik.
Textauszüge mit freundlicher Genehmigung von Claasen Verlag in der Ullstein Buchverlage GmbH Berlin, Carl Hanser Verlag München, Verlag zur Megede Seeheim-Jugenheim