Den ganzen Abend über ist nichts vorhersehbar. Ständige Überraschungen machen ein konzentriertes Beobachten notwendig. Dadurch ergeben sich nicht nur optisch immer neue Blickwinkel, vielmehr werden auch die Gedanken immer wieder auf neue Wege geleitet, bis sich am Ende ein rundes, von zahlreichen Facetten geprägtes Bild jener Zeit ergibt, die in Vergessenheit zu geraten droht - wenn es nicht Menschen gäbe, die auf geniale Art und Weise die Personen und Gefühle, Gedanken und Hintergründe dieser so lange zurückliegenden Zeit lebendig werden lassen wie die Darsteller von Chawwerusch.
(DIE RHEINPFALZ)
Chawwerusch, das freie professionelle Theater der Südpfalz, verfügt über drei Jahrzehnte Erfahrung in aktiver kreativer Theaterarbeit und ist stets offen für neue Stücke, Themen und Projekte. Jährlich kommen zwei bis vier neue Produktionen in der eigenen Spielstätte, dem Theatersaal in Herxheim zur Aufführung. Seit 1984 wurden 77 Stücke produziert.
Recherchierte regionale Geschichte und Geschichten (beispielsweise „Der Lavendel der Langgässer“) sind immer wieder wichtige Bestandteile der Inszenierungen. Aber auch Klassiker (wie Goethes Faust oder Shakespeares Hamlet) werden aus "ver-rückten" Perspektiven betrachtet und inszeniert. Angestrebtes Ziel ist es, Theater von Leuten für Leute zu machen, immer nah an den Menschen und ihrer aktuellen Erlebniswelt zu bleiben, manchmal auch zu irritieren, aber stets mit einem Augenzwinkern, ganz nach dem Chawwerusch-Motto

Chawwerusch-Stücke entstehen in einem intensiven Prozess von Improvisation, Experiment und gemeinsamer Diskussion. Der Schauspieler steht mit seinem Körper und seiner Stimme im Zentrum der Inszenierung. Markenzeichen ist unter anderem ein offener, meist stilisierter Bühnenraum mit einfachen, aber wandelbaren Requisiten und Kostümen. So lassen die Akteure selbst nur durch Andeutung von Szene zu Szene neue, oft auch überraschende Bilder auf der Bühne entstehen. Chawwerusch spielt neben der Hochsprache gleichberechtigt mit verschiedenen Dialekten und Sprachformen, begreift sich aber nicht als heimatpflegerisches Mundarttheater. Integraler Bestandteil aller Stücke ist die Musik, die meist eigens für das jeweilige Stück komponiert, arrangiert und von den Akteuren live gesungen und gespielt wird.
Über Jahre entstand eine unverwechselbare Handschrift, die nicht nur in Eigenproduktionen, sondern auch in vielfältigen Projekten mit Amateuren sichtbar wird. Chawwerusch will nicht nur Theater für Zuschauer machen, sondern auch mit ihnen. Für diese Aktivitäten und die Verdienste im Bereich Literatur und Theater wurde das Ensemble vielfach mit Preisen ausgezeichnet: Unter anderem mit dem Kunst-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz (1994), dem Förderpreis der Stiftung zur Förderung der Kunst in der Pfalz (1998), dem Pamina Kulturpreis (2005), dem Preis der Emichsburg bei den Bockenheimer Mundarttagen (2006) und mit der Hermann-Sinsheimer-Plakette in Freinsheim (2010).
Chawwerusch - Mitglied im Landesverband professioneller freier Theater in Rheinland-Pfalz (la profth) – schätzt und fördert gute Team- und Zusammenarbeit, sowie die Vernetzung mit anderen Kultur- und Theaterschaffenden.
Nach 25 Jahren ist Chawwerusch längst etabliert, aber noch immer macht Chawwerusch ein Theater, das so nirgendwo sonst im Land zu sehen ist. Stilistisch vielfältig und immer wieder neu, irgendwo zwischen Horváth und Brecht, zwischen Commedia dell’ Arte und Dario Fo zwischen Theatre du Soleil und sich selbst - ambitioniertes, alternatives, kritisches Volkstheater. (SR2 Kultur)