Müllers Lust

 

Dieses Stationentheaterprojekt wurde Ende September und Anfang Oktober 2014 im Rahmen der Kulturtage des Landkreises Südliche Weinstraße aufgeführt und ist beendet.
Fast 4000 Zuschauer schauten sich die Aufführungen an.

Hier finden Sie einen Videoclip über das Projekt:

Gemahlen wird in der Mühle der Familie Dorkenwald schon lange nicht mehr. Ein idyllisches nostalgisches Mühlrad sucht man vergebens, denn bereits in den Zwanziger Jahren wurde das Räder- und Mahlwerk mit Strom betrieben. Wir wollen mit „Müllers Lust“ das in die Jahre gekommene Industriedenkmal mit dem morbiden Charme wieder zum Leben erwecken.

Die Mühle ist Symbol des Lebens. Sie verwandelt Korn zu Mehl und schafft die Grundlage für unser tägliches Brot. Die Mechanik der Mühle ist gleichzeitig Bild für Arbeit, Produktion, Entwicklung, aber auch für Gleichförmigkeit, Meditation und Monotonie. Die Mitwirkenden bringen mit ihrem Spiel das Räderwerk wieder in Schwung.

Über einhundert spielfreudige Menschen aus der Region haben sich von der Mühle inspirieren lassen. Angeleitet vom Chawwerusch-Team und anderen professionellen Künstlern beleben sie das Mühlenareal mit unterschiedlichen Mitteln: Theater, Film, Dokumentation, Tanz, Bildender Kunst, Rhythmus und Musik.
Experimente, Improvisationen und Recherchen bilden die Grundlage für die abwechslungsreichen Präsentationen der acht beteiligten Gruppen. Ob draußen oder drinnen, überall eröffnen sich unerwartete und neue Perspektiven auf Thema und Ort. Vergangenes, Aktuelles und Zukünftiges vermischen sich und stehen nebeneinander. Ein Finale führt alle Spieler und Spielerinnen im Innenhof der Mühle zusammen.

Die Zuschauergruppe (200 Besucher/innen) sieht in chronologischer Abfolge die Stationen 1 bis 4. Dazwischen besuchen jeweils 50 Zuschauer/innen in unterschiedlicher Reihenfolge die Stationen 5 bis 8, um dann in der 9. Station wieder zum Finale zusammen zu kommen.

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1. Was ä G’schäft (im Hof)
(Leitung: Felix S. Felix, Theater, Musik)
Der Weizen ist ein Geschenk der Göttin Demeter an die Menschen.
Die Verwandlung eines kleinen Korns in einen Laib Brot ist harte Arbeit.
In einer Collage aus mythischen und modernen Texte spannt diese Station einen
Bilderbogen vom Korn zum Lebensmittel Brot. Und ein moderner Midas verwandelt alles in Börsengold. Aber diese Gold kann man eben nicht essen!

Es spielen und singen
Eva Albert, Jürgen Burg, Claudia Forchner, Christel Harsch, Marlene Korbstein, Johanna Krain, Nikola Krumholz, Andrea Moser, Imma Peris, Elisabeth Thiel, Dieter Vöster, Sibylle Wirth, Beate Wolf, Michael Wolf

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2. Das verwunschene Brot (Halle)
(Leitung: Walter Menzlaw, Theater, Christian Schega, Film, Annalena Volz, Assistenz)
Kunden kaufen Anfang der 50er-Jahre bei ihrem Bäcker Brot, das mit Mutterkorn vergiftet ist. Abrupt werden die Menschen der Tretmühle ihres Alltagslebens entrissen. Nach ersten krampfartigen Symptomen befinden sich viele in einer rauschartigen Hochstimmung und machen die Nacht zum Tag. Es gibt tiefgehende Gespräche, Geständnisse, Diskussionen. Ganz „normale“ Bürger erfinden neue Worte und Bedeutungen wie Farendosana oder Schilnoson. Hinzukommen verzerrte visuelle Eindrücke, Erinnerungen und Sehnsüchte. Doch am Ende dieses bizarren Festes erfasst das sogenannte „Antoniusfeuer“ die Menschen, das die meisten – wie von Mühlsteinen zerrieben – wieder erwachen lässt.
Die Szene ist wahren Ereignissen in Pont-Saint-Esprit, Frankreich 1951, nachempfunden (Quelle: John G. Fuller: Apokalypse 51). Die Geschichte wurde nach Deutschland verlegt. Es handelt sich um reine Fiktion und hat sich in dieser Form hier niemals ereignet.

Es spielen
Astrid Benkel, Frieder Blümler, Stefan Detzel, Gerhard Fitzthum, Bettina H.-Dünninger, Thomas Heber, Anastasia Herzog, Rüdiger Knoll, Julia Köller, Klaus Krug-Beutner, Hans-Jürg Liebert, Vera Nickola, Angelika Scheidig, Manfred Ullemeyer, Karin Weinert-Katoll, Anja Ziebler-Kühn

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3. Die Moritat von den einfältigen Müllersleuten (Hinter der Mühle)
(Leitung: Thomas Kölsch, Theater, Anke Trinemeier, Assistenz)
In der Art eines Bänkelgesangs wird „die Geschichte der einfältigen Müllersleute“ frei nach Hans Sachs erzählt. Aber die Bänkelsänger haben keine bemalten Plakate mit schaurig-schönen Bildern dabei. Das Personal der schwankhaften Szene besteht aus Bauern, Müllerburschen, Mägden, einem einfältigen Müller, der schönen Müllerin und anderen bedeutenden Besuchern. Durch die Erzähler sind die Spieler plötzlich mittendrin in der Geschichte, werden durch sie bewegt, verschoben, angehalten und umgruppiert. Die alte Geschichte eines Müllerpaares, das auf ruchlose Betrüger hereinfällt, wird so wieder lebendig.

Es spielen
Stefan Asam, Elmar Balloff, Daniel Baudy, Kirsten Boller, Ute Bornhöfft, Bettina Brückmann, Karin Burk, Marion Bürk-Schindler, Elke Busch, Barbara Edel, Christine Heeger-Roos, Manfred Joachim, Ursula Katenhusen, Roland Kölsch, Claudia Lahres, Patricia Röther, Melanie Thut

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4. Der verklärte Raum (Halle)
(Leitung: Mario Heinemann Jaillet, Tanz, Angelika Drexler-Ferrari, Assistenz)
Die Kornkammer wird hier zum Ort der Sehnsüchte, der Erinnerungen, von Überfluss und Reichtum. Lasst es uns wieder gut gehen, lasst uns prassen und wälzen, springen, lasst uns fallen lassen und tanzen.
Alles schien gut, wir sind uns wieder gut genug und tanzen den Reigen unserer eigenen verklärten Erinnerungen.

Es tanzen
Christel Adam, Bettina Forster, Gabi Forster, Jutta Frey, Sigrid Langer, Kaja Langfinger, Brigitte Morsch-Kuntze, Dorothea Müller, Margit Nevermann, Christine Sebastian, Susanna Staehle, Hanne Tadic, Marion Trauth, Elisabeth Volz, Petra Wünschel

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5. Die sieben fetten und die sieben mageren Jahre (Mühlenraum)
(Leitung: Ben Hergl und Ro Tritschler, Theater)
Eine alte archaische Erzählung aus dem Alten Testament ist die Grundlage des Szenenspiels: Im Traum sieht der Pharao von Ägypten sieben volle und sieben verdorrte Ähren. Was hat das zu bedeuten?
Aus dem Gefängnis wird der israelitische Sklave Josef geholt. Er soll dem Pharao diesen verstörenden Traum deuten:
Sieben fette und danach sieben magere Jahre werden Ägypten an den Rand des Ruins führen. Der Hofstaat des Pharao steht Kopf. Was tun? Wie umgehen mit Hunger, aber auch mit Überfluss?
Sieben skurrile Figuren versammeln sich am Hofe des Pharao. Sie sind abgeleitet von den sieben Todsünden: Wollust, Stolz, Zorn, Geiz, Völlerei, Neid und Trägheit. Und sie werden damit konfrontiert, dass die Zukunft gar nicht so rosig ausschaut.
In die Geborgenheit des Erzählflusses dieser zeitlosen Geschichte werden als Reibungs- und Kontrapunkte heutige Bezüge eingeflochten.
„Wir brauchen keine Kornspeicher mehr. Was wir brauchen sind Datenspeicher.“

Es spielen
Ede Gauly, Moritz Hahn/Lukas Walz, Alexander Roos, Hildegard Jung, Thomas Rebholz, Martina Seither, Annette Zehr

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6. Spreu vom Weizen
Klanglandschaft mit Sängerinnen (Annahmestelle)

(Leitung: Armin Sommer, Musik, Rhythmus)

Um das Mendelsohn-Lied „Lieblingsplätzchen“ herum tummeln sich junge musikalische Müller: Sie trommeln, rauschen, sieben und begleiten die Sängerinnen zu ihrem Lieblingsplatz an einer Mühle, bis die industrielle Realität sie wieder einholt.
Schlag-Art Pfalz und Sängerinnen aus der Region nehmen sich der romantisierenden Vorstellung der Mühle von Mendelsohn an und finden ihre ganz eigenen Antworten.

Schlag-ART / Pfalz
Percussion-Ensemble der Kreismusikschulen Südliche Weinstraße und Rhein-Pfalz Kreis
Gianluca Berger, Justus Fani, Max Hantke, David Hundemer, Lukas Janson, Yves Jurkat, Pau Kraft Carne, Lennart Meyer, Timon Steup, Dastin Volo

Sängerinnen
Susanne Bode, Vanessa Eck, Ulrike Fürst, Vera Kröper, Mareike Ott, Ro Tritschler

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7. Es laaft nix mehr (Keller)
Dokumentarischer Film und szenisches Spiel
(Leitung: Sarah Dorkenwald und Christian Schega, Theater und Film)
Es geht um alles oder nichts. „Wie kriegen wir diese verdammte Mühle wieder in Gang?“ fragen sich die beiden Jugendlichen Sonja und Stefan. Sie haben alles versucht. Es fehlt nur das verdammte letzte Teil. Zum Glück gibt’s ja „de Google“ im Internet. Stichwort „Dorkenwald“ eingegeben und schon begeben sie sich auf eine Suche durch Raum und Zeit und entdecken den Müller Adolf Dorkenwald und das Leben auf der Neumühle.
Mit Filmprojektionen und einer Lichtinstallation offenbart sich eine spannende Suche durch die Geschichte der Mühle.

Es spielen
David Fritz, Alina Oborocea, Peter Seibel
Im dokumentarischen Film sehen Sie den Müller Adolf Dorkenwald.

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8. Müh(l)WERK (Hinter der Mühle)
(Leitung: Christine Biehler, Bildende Kunst, Karin Flurer-Brünger, Assistenz)

Die Mühle ist erwacht: Die mächtigen Silos brummen, die Getreideschläuche winden sich aus dem Gebäude, ein Mühlstein bekommt ein Eigenleben. Ehemalige Arbeitsgeräte wie Besen, Eimer und Siebe werden zu skurrilen Figuren, deren Träger auf dem Kiesrundweg hinter der Mühle schleppen, schlurfen und Spuren aus Mehl hinterlassen – Was für eine Mühsal ist das Mühlwerk!
Das Prinzip, das Innere nach Außen zu kehren, verfolgen auch die QR-Codes überall im Gelände mit chiffrierten Informationen aus dem Leben der Neumühle (siehe hier).
Sie entscheiden sich selbst für Ihren Stand- und Blickpunkt im Skulpturenreigen.
Die Gruppe setzt sich aus Amateuren und Studentinnen der Universität Koblenz/ Landau zusammen.

Performance
von Ingrid Bouché, Wanja Brünger, Eva Jung, Erwin Kopp, Ella Lechner, Carmen Lutz,Talia Masino, Herbert Nicklis, Marion Schindofski
Installationen

von Julia Suchoroschenko und Susanne Werling
Helferinnen
Andrea Appel, Daniela Masino, Uschi Moog, Adina Wegner

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9. Finale (Hof)
(Leitung: Ben Hergl, Ro Tritschler)
Zum Schluss treffen sich alle Zuschauer und Akteure zum großen Finale. Ein großer gemeinsamer Sprach – und Klangteppich aus 150 Stimmen wiegt die Mühle wieder zurück in den Schlaf.
Wir zählen auf zehn.
Die Mühle bleibt stehn.

Bei „Müllers Lust“ gibt es auch Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen:

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Kostüme und Requisitengruppe
(Leitung: Friedi Hildenbrand, Assistenz: Sabine Bellaire)
Hände die nähen, sticheln, stricken, häkeln, umgarnen, einsauen, färben, bemalen, bearbeiten, bohren, feilen, kaputtmachen und wieder zusammen setzen, schneiden, basteln und kreativ sind haben Kostüme und Requisiten gestaltet und hergestellt.

Team
Daniela Balloff-Healy, Judith Balloff-Ohmer, Silvia Steiner, Isabella Wirth, Heike Biedermann, Pamela Breutmann

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Herr und Frau Müller wissen den Weg (Wegbegleiter)
(Leitung: Monika Kleebauer und Gabi Kolain)
Damit im weitläufigen Gelände der Neumühle niemand verloren geht, werden „Herr und Frau Müller“ die Zuschauer sicher begleiten.

Es begleiten Sie
Claudia Bär, Hans Benkel, Jutta Bräunling, Hans-Joachim Bräunling, Angelika Dausch, Ursula Förster-Ullemeyer, Tanja Herzog, Frank Kaiser, Helmut Kleinjung, Manfred Leonhard, Doris Löffel, Wilfried Lorenz, Brigitte Nicklis, Annegret Reichelt, Michael Scherrer, Christa Steinmüller, Hans-Peter Thiel, Helga van den Berg, Constantin Wegner
unterstützt von
Gottfried Adam, André Ferrari, Gerhard Frey, Hans Gawliczek, Horst Mantel, Ingrid Munzinger, Franz Nießen, Reinhard Volz u.a.

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Künstl. Leitung:
Monika Kleebauer und Ben Hergl, Gabi Kolain (Assistenz)

Technische Leitung:
Patrick Frautschi und Thomas Kölsch

Bühne, Licht- und Tontechnik, Projektion:
Kim Acker, Reinhard Blaschke, Jürgen Eck, Filip Felix, Patrick Frautschi (Leitung), Jan Maintz, Patrick Massler, Dennis Matzka

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Fotos: Helmut Dudenhöffer, Walter Menzlaw, Christine Biehler

Herzlichen Dank unseren Auftraggebern:
dem Landkreis Südliche Weinstraße,
Frau Landrätin Theresia Riedmaier, Herrn Karl-Heinz Zwick, Frau Andrea Linnenfelser
und dem Kooperationsparter:
der Ortsgemeinde Herxheim, Herrn Bürgermeister Franz-Ludwig Trauth, Frau Christa Müller

Wir danken allen herzlich, die uns mit Material, Rat und tatkräftiger Hilfe unterstützt haben:
Christel Adam, ŸBauhof Herxheim,Ÿ Fam. Dinies, Ÿ Norbert Doleschal, ŸDRK Herxheim, ŸStephan Flick; Die Schreiner Werkstatt,Ÿ Freiwillige Feuerwehr Herxheim,Ÿ Familie Frey; Bischoff-Mühle Appenhofen,Ÿ Lee Hecht Harrison Deutschland GmbH,Ÿ Roland Hey; Bauabteilung Kreisverwaltung,Ÿ Jürgen Kerner; Südpfalzwerkstatt Offenbach,Ÿ Familie Kerner; Bäckerei Herxheim, Kolpingskapelle Herxheim,Ÿ Kreismusikschule des Rhein-Pfalz Kreises, ŸKreismusikschule der Südlichen Weinstraße,Ÿ Axel Müller; DEKRA Herxheim, Eckhard Rahm; Raiffeisen Warenhandelsgesellschaft Südpfalz mbH,Ÿ Universität Koblenz-Landau Abt. Landau; Institut für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst,Ÿ Familie Weber; Möbelhaus Weber,Ÿ Firma Tiator; Herxheim, Firma Arnulf Weiller GmbH; Herxheim, Familie Wingert; Appenhofen

Danke an alle Mitwirkenden und Amateure aus den verschiedenen Theatergruppen der Region, ohne die sich diese Theater- und Kunstmühle niemals hätte drehen können.

Unser ganz besonderer Dank gilt
Ulli und Adolf Dorkenwald
Ohne ihr Entgegenkommen, ihre Gastfreundschaft und Offenheit wäre dieses Projekt nicht zu dem geworden, was es jetzt ist.

Mit freundlicher Unterstützung von
Kreis Südliche Weinstraße, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur an der Südlichen Weinstraße e.V., Ortsgemeinde Herxheim, Sparkasse SÜW, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz, Kultursommer Rheinland-Pfalz, Südpfalzwerkstatt gGmbH, Raiffeisen Warenhandelsgesellschaft Südpfalz mbH, Gemeindewerke Herxheim

 

Weitere Informationen bei:
Chawwerusch Theater
Obere Hauptstraße 14
76863 Herxheim
Tel: 07276/5991
www.chawwerusch.de