Rosa B. – beinahe vergessen

Gastspiel: Neues Theaterstück der Gruppe WeibsBilder über eine Patientin in der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster 1932-1946

Ihr ganzes Leben lang hat Rita ihre Großmutter Rosa bewundert, obwohl sie sie nie gekannt hat. Rosa sei als junge Frau nach Amerika ausgewandert und habe dort mit ihrem Mann Gottlieb ihr Glück gemacht. Doch dann entdeckt Rita einen Sterbeschein: Rosa B. gestorben 1946 in Klingenmünster. Rita beginnt zu recherchieren und vor ihr bricht ein Lügengebäude zusammen, das in der Familie fast 70 Jahre aufrechterhalten worden war. Rita entdeckt die Lebensgeschichte einer jungen Frau, welche mit ihren Wünschen und Bedürfnissen so gar nicht in ihre Zeit gepasst hat. Was als harmloser Ausflug in die Familiengeschichte beginnt, nimmt eine dramatische Wendung.

Im Theaterstück „Rosa B. – beinahe vergessen“ wird der Rechercheprozess der Enkelin von heute verflochten mit dem Schicksal von Rosa B., die Kaiserreich, Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus durchlebt hat und schlussendlich Opfer der nationalsozialistischen Rassenideologie wurde. Rosa kehrt 1932 aus Amerika zurück nach Landau. Doch das Leben in der Kleinstadt ist ihr zu eng geworden. Sie fühlt sich kontrolliert, beobachtet und beäugt. Rosa rebelliert, sucht die Konfrontation mit Eltern, Nachbarinnen, ihrer Umwelt.

Sie wird in die Anstalt Klingenmünster eingewiesen. Dort trifft sie auf Erika, Elisabeth, Hedwig, Klara, Patientinnen der Anstalt, die jede für sich einen je eigenen Lebens- und Leidenskosmos darstellen.

Es entwickelt sich eine Freundschaft zu Ottilie, einer Mitpatientin; eine Freundschaft, die so vielleicht nur in existentiell bedrohlichen Lebenssituationen entstehen kann. Die beiden Frauen versuchen mit kleinen Listen der Ohnmacht ein letztes Stück eigene Identität und Würde zu wahren. Dass dies nicht gelingen kann, wissen sie vielleicht beide von Anfang an. Ottilie wird auch zur Sterbe-Begleiterin für Rosa.

Rosa B. war von 1932 -1946 Patientin der Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster. Sie hat also die gesamte Zeit des Nationalsozialismus in einer psychiatrischen Anstalt verbracht und hat somit im Mikrokosmos ihres Lebens das menschenverachtende System der nationalsozialistischen Psychiatrie durchlebt, um letztendlich doch daran zu Grunde zu gehen. 

Das Stück basiert auf der realen Biografie von Rosa B. und den Ereignissen in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Klingenmünster. Es entfaltet eine packende Brisanz und AktualitätDie acht Spielerinnen der Theatergruppe WeibsBilder nähern sich in einem assoziativen, dramatischen und bilderreichen Spiel der Lebensgeschichte von Rosa B. an. Bei aller Tragik entwickelt das Stück auch einen Humor des Irreseins, eine zarte Poesie. Denn ohne diese ließe sich die Geschichte der Rosa B. nicht erzählen. 

Geschrieben hat das Stück Rosa Tritschler auf der Basis umfangreicher  Recherchen der Enkelin Gabriele Bußmann und Improvisationen der Spielerinnen der Theatergruppe WeibsBilder. Sie führt auch die Regie. 

Es spielen
Christel Adam, Rebecca Dambach, Bettina Forster, Gabi Forster, Christine Heeger-Roos, Hildegard Jung, Claudia Lehmann und Elisabeth Volz

Buch und Regie
Rosa Tritschler

Bühnenbild
Franziska Smolarek

Kostüme
Kristina Baumert

Musik und Tondesign
Karl Atteln

Link: rosa-b.online

„Rosa B.  – beinahe vergessen“ ist eine Produktion des Herxheimer Dorftheater e.V. in Zusammenarbeit mit der Gedenkarbeit des Pfalzklinikums. Das Projekt der Theatergruppe WeibsBilder wird gefördert vom Kultursommer Rheinland-Pfalz 2019, dem Bezirksverband Pfalz, der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, dem Kreis Südliche Weinstraße, der Verbandsgemeinde Herxheim, dem Frauenbüro Südliche Weinstraße, der Ortsgemeinde Herxheim und einigen privaten Sponsoren