Happy-End-Geschichten

Unser Spiel­be­trieb war von Mit­te März bis Ende Juni 2020 auf­grund der Pan­de­mie eingestellt.
In die­ser Zeit haben wir auf unse­rer Home­page alle zwei Tage eine “Hap­py-End-Geschich­te” veröffentlicht.
Ver­fasst von unse­ren Ensem­ble-Mit­glie­dern und künst­le­ri­schen Gäs­ten, die in unter­schied­li­chen Zusam­men­hän­gen mit uns zusam­men­ge­ar­bei­tet haben.
Unse­re neue Pro­duk­ti­on “Wur­zeln schla­gen” fei­er­te nun am 28.6.2020 Pre­mie­re, damit haben die Live-Auf­trit­te die vir­tu­el­len Hap­py-End-Geschich­ten abgelöst.
Hier kön­nen Sie die Geschich­ten aber alle nach­le­sen. Ein­fach run­ter scrollen …
Viel Ver­gnü­gen beim Schmö­kern und Anhö­ren wün­schen wir!

Die letzte Happy-End-Geschichte: HappyEnd missing
von Barbara Schüßler

Ich erzäh­le Ali, dass ich wie­der eine Geschich­te geschrie­ben habe. Eines sei­ner Erleb­nis­se vom Ankom­men in Deutsch­land (Und zwar die Hap­py-End-Geschich­te Nr. 20 “Deut­sche Nor­ma­li­tät”).
Eine Geschich­te, die gut aus­ge­gan­gen ist für ihn und daher für das Chaw­we­rusch-Thea­ter als Hap­py­End-Geschich­te taugt.
Ali, erfreut, dass er im Mit­tel­punkt steht und fas­zi­niert, wie ich das for­mu­lie­re, meint: Trotz­dem ver­mis­se ich das Hap­py End. Ich bin die Haupt­per­son und ver­die­ne ja wohl eine Gage. Das wäre ein Hap­py End!

Bar­ba­ra Schüß­ler arbei­tet u.a. als Thea­ter­au­torin für das Thea­ter unter der Daus­eck (TudD), mit dem das Chaw­we­rusch eine lan­ge Freund­schaft und Zusam­men­ar­beit ver­bin­det. Immer wie­der zeig­te das TudD sei­ne Stü­cke in unse­rem Thea­ter­saal. Die aktu­el­le Pro­duk­ti­on “Deckel drauf! Eine schwar­ze Fami­li­en-Komö­die mit Biss”, von Bar­ba­ra ver­fasst und vom Chaw­we­rusch-Regis­seur Wal­ter Menz­law insze­niert, soll­te eigent­lich im März die­sen Jah­res bei uns gas­tie­ren. Die Vor­stel­lung muss­te auf­grund des Coro­na-Shut-Downs ent­fal­len, soll aber im Dezem­ber die­sen Jah­res nach­ge­holt werden.
Bar­ba­ra über Ihre Bezie­hung zu unse­rem Thea­ter: Das Chaw­we­rusch-Thea­ter ken­ne ich seit 10, viel­leicht auch schon 15 Jah­ren, von denen jedes ein­zel­ne vol­ler schö­ner, inspi­rie­ren­der Begeg­nun­gen ist.

 

Happy-End-Geschichte 22: Afrika in KL
von Monika Kleebauer

Afri­ka. Ele­fan­ten. Löwen. Giraf­fen. Zebras. Von so was träu­men Kin­der in den 50ger Jah­ren in KL. Ella, 9 Jah­re und ihr 3 Jah­re jün­ge­rer Bru­der Fritz drü­cken sich seit Minu­ten die Nasen platt am Schau­fens­ter vor dem „Fritz-Wal­ter-Kino“. Sie kön­nen sich nicht satt­se­hen an den far­bi­gen Fotos einer frem­den und bun­ten Welt. Ihre „Ohs“ und „Ahs“ wol­len nicht auf­hö­ren, ihre Begeis­te­rung über den Film eben­falls nicht. „Die Wüs­te lebt“, so heißt die preis­ge­krön­te Natur­do­ku­men­ta­ti­on von Walt Dis­ney, die jetzt auch in KL zu sehen ist.
Für Ella und Fritz uner­reich­bar. In die­ser Zeit gibt es noch kein Taschen­geld. Und als Kin­der ohne Begleit­per­son wird man im Kino nicht rein­ge­las­sen. So blei­ben also nur die platt­ge­drück­ten Nasen und eine uner­füll­te Sehn­sucht. Fritz zieht Ella am Arm. „Komm, lass uns heim­ge­hen“. „Ja, gleich“, ant­wor­tet Ella, bewegt sich aber kei­nen Mil­li­me­ter von der Stel­le. Da spürt Ella, wie jemand hin­ter sie tritt und befürch­tet schon, dass ihre Mut­ter die bei­den auf­ge­spürt hat und sie mit nach Hau­se neh­men will. Eine Hand legt sich auf ihre Schul­ter. Lang­sam dreht sie sich um und blickt nach oben. Direkt ins Gesicht von Gemein­de­pfar­rer Mohn, ein enger Freund der Fami­lie und lei­den­schaft­li­cher Kino­gän­ger. „Na, den Film wür­det ihr wohl ger­ne sehen?“. Ella und Fritz nicken eif­rig. „Also los, dann kommt mal mit“. Er öff­net die Tür zum Kino, zückt sein Porte­mon­naie, bezahlt und drückt den bei­den fas­sungs­lo­sen Kin­dern zwei Ein­tritts­kar­ten in die Hand. „Ihr dürft rein. Das hab ich mit dem Kino­be­sit­zer geklärt. Und jetzt geh ich und sag Euren Eltern Bescheid, damit die wis­sen, wo Ihr seid. Viel Spaß!“
Im Dun­keln des Saa­les kann man die Augen von Ella und Fritz vor Begeis­te­rung glit­zern sehen.
Dass der Film gar nicht Afri­ka zeigt, son­dern die Wüs­ten­ge­bie­te der amerikanischen
Sier­ra Neva­da, das ist an die­sem Nach­mit­tag in KL für Ella und Fritz gar nicht wichtig……

Moni­ka Klee­bau­er ist seit der Grün­dung unse­res Thea­ters 1984 Ensem­ble-Mit­glied bei uns.

Happy-End-Geschichte 21: Lied von der Furchtlosigkeit
von Silke Bender

 

Sil­ke Ben­der hat das Chaw­we­rusch Thea­ter zum ers­ten Mal als Stu­den­tin gese­hen, als es „Trotz alle­dem“ auf Som­mer­tour­nee 1997 spiel­te. Sie war hell­auf begeis­tert und ist es immer noch. Seit 2015 arbei­tet sie selbst als Refe­ren­tin für Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit bei der frei­en Büh­ne in Herxheim.

 

Happy-End-Geschichte 20: Deutsche Normalität
von Barbara Schüßler

Nachts sei er an der Bus­hal­te­stel­le gestan­den, wie so oft, erzählt Ali. Es sei schon klar gewe­sen, dass das Poli­zei­au­to, das auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te fuhr, wen­det, um ihn zu kon­trol­lie­ren. Dass die jun­ge Poli­zis­tin beim Aus­stei­gen die Hand­schu­he anzieht, sei auch klar gewe­sen. Was bedeu­tet das?, fra­ge ich nach. Na, dass ich abge­tas­tet wer­de, wie so oft, sagt Ali.
Ich erschre­cke. Noch nie bin ich in mei­nen mehr als 50 Jah­ren von der Poli­zei kon­trol­liert wor­den. Abtas­ten ken­ne ich nur vom Flug­ha­fen. Das ist nor­mal, sagt Ali. Normal?!
Ja, aber jetzt kommt das Bes­te, tri­um­phiert Ali. Ihren Aus­weis, bit­te!, habe der Poli­zist gesagt. Den habe ich doch ger­ne gezeigt, erzählt Ali und zückt, wie zum Beweis für sich und uns sei­nen druck­fri­schen Per­so­nal­aus­weis. Und dann?, fra­ge ich. Na, alles okay. Die Poli­zis­tin hat die Hand­schu­he aus­ge­zo­gen, sie und ihr Kol­le­ge sind ins Auto gestie­gen und weg­ge­fah­ren. Ohne wei­te­re Kon­trol­le? Das ist nor­mal, meint Ali: Ich bin doch jetzt Deutscher!

Bar­ba­ra Schüß­ler arbei­tet u.a. als Thea­ter­au­torin für das Thea­ter unter der Daus­eck (TudD), mit dem das Chaw­we­rusch eine lan­ge Freund­schaft und Zusam­men­ar­beit ver­bin­det. Immer wie­der zeig­te das TudD sei­ne Stü­cke in unse­rem Thea­ter­saal. Die aktu­el­le Pro­duk­ti­on “Deckel drauf! Eine schwar­ze Fami­li­en-Komö­die mit Biss”, von Bar­ba­ra ver­fasst und vom Chaw­we­rusch-Regis­seur Wal­ter Menz­law insze­niert, soll­te eigent­lich im März die­sen Jah­res bei uns gas­tie­ren. Die Vor­stel­lung muss­te auf­grund des Coro­na-Shut-Downs ent­fal­len, soll aber im Dezem­ber die­sen Jah­res nach­ge­holt werden.
Bar­ba­ra über Ihre Bezie­hung zu unse­rem Thea­ter: Das Chaw­we­rusch-Thea­ter ken­ne ich seit 10, viel­leicht auch schon 15 Jah­ren, von denen jedes ein­zel­ne vol­ler schö­ner, inspi­rie­ren­der Begeg­nun­gen ist.

 

Happy-End-Geschichte 19: happy garten ende
von Felix S. Felix

Unser Ensem­ble-Mit­glied Felix S. Felix fei­ert am 28.6.2020 Pre­mie­re mit der neu­en Gar­ten­le­sung “Wur­zeln schla­gen”. Alle Auf­tritts­ter­mi­ne dazu fin­den Sie hier.
Einen klei­nen Vor­ge­schmack gibt die heu­ti­ge Hap­py-End-Geschich­te, gespro­chen und geschrie­ben von Felix S. Felix.

 

Happy-End-Geschichte 18: Katz und Maus
von Barbara Schüßler

Car­la, so hieß unse­re Kat­ze, war eine flei­ßi­ge Mäu­se-Jäge­rin, was sie uns ger­ne mor­gens auf dem Fuß­ab­strei­fer prä­sen­tier­te. Tags­über erhol­te sie sich in unse­rem Kel­ler­raum, am liebs­ten auf einer alten Tasche, zwi­schen Cam­ping-Uten­si­li­en, Wäsche­schrank und Vor­rats­re­gal. Eines Tages muss­ten wir ent­de­cken, dass sowohl die Nudel­pa­ckung, als auch die Reis­tü­te und die Äpfel, die hier lager­ten, ange­knab­bert waren. Die Ursa­che fand sich in Omas Kom­mo­de, in der Schub­la­de zwi­schen all den schö­nen, bestick­ten Tisch­de­cken: ein Nest, offen­sicht­lich von einer Mäu­se-Auf­zucht. Die Tüten und kaput­ten Tisch­de­cken wan­der­ten in den Müll. Um die Mäu­se wür­de Car­la sich küm­mern. Dach­ten wir. Aber immer wie­der waren Vor­rä­te ange­knab­bert und fan­den wir Mäu­se-Köt­tel und auch klei­ne Nes­ter aus Heu und Flu­sen. Car­la fing wei­ter­hin im Gar­ten Mäu­se, aber nicht die in ihrem Keller.
Die­se Katz-und-Maus-Sym­bio­se hielt mehr als ein Jahr. Dann kam der Tag, an dem Car­la auf ihrer alten Tasche fried­lich ein­ge­schla­fen und gestor­ben war. Als wir sie hin­aus­tru­gen, fan­den wir an ihrem Platz, auf der Tasche, in der Kuh­le noch­mal ein sol­ches Mäuse-Nest.
Seit­dem Car­la weg ist, haben wir in unse­rem Kel­ler kei­ne Maus mehr entdeckt.

Bar­ba­ra Schüß­ler arbei­tet u.a. als Thea­ter­au­torin für das Thea­ter unter der Daus­eck (TudD), mit dem das Chaw­we­rusch eine lan­ge Freund­schaft und Zusam­men­ar­beit ver­bin­det. Immer wie­der zeig­te das TudD sei­ne Stü­cke in unse­rem Thea­ter­saal. Die aktu­el­le Pro­duk­ti­on “Deckel drauf! Eine schwar­ze Fami­li­en-Komö­die mit Biss”, von Bar­ba­ra ver­fasst und vom Chaw­we­rusch-Regis­seur Wal­ter Menz­law insze­niert, soll­te eigent­lich im März die­sen Jah­res bei uns gas­tie­ren. Die Vor­stel­lung muss­te auf­grund des Coro­na-Shut-Downs ent­fal­len, soll aber im Dezem­ber die­sen Jah­res nach­ge­holt werden.
Bar­ba­ra über Ihre Bezie­hung zu unse­rem Thea­ter: Das Chaw­we­rusch-Thea­ter ken­ne ich seit 10, viel­leicht auch schon 15 Jah­ren, von denen jedes ein­zel­ne vol­ler schö­ner, inspi­rie­ren­der Begeg­nun­gen ist.

 

Happy-End-Geschichte 17: Ladengedichte
von Miriam Grimm und Stephan Wriecz

Die Laden­ge­schich­ten sind ent­stan­den auf unse­rer dies­jäh­ri­gen Kunst­klau­sur. Die­se fand erst­mals per Video-Chat statt. In dem gan­zen Coro­na-Fias­ko wur­de unse­re Kunst­klau­sur Ende April zu einer klei­nen Nor­ma­li­täts­in­sel. Und Nor­ma­li­tät fühlt sich heu­te fast an wie Hap­py End. Die vor­ge­le­se­nen Tex­te stam­men von unse­ren Ensem­ble-Mit­glie­dern Miri­am Grimm und Ste­phan Wriecz.

 

Happy-End-Geschichte 16: Ladengedichte
von Thomas Kölsch, Felix S. Felix und Ben Hergl

Die Laden­ge­dich­te sind ent­stan­den auf unse­rer dies­jäh­ri­gen Kunst­klau­sur. Die­se fand erst­mals per Video-Chat statt. In dem gan­zen Coro­na-Fias­ko wur­de unse­re Kunst­klau­sur Ende April zu einer klei­nen Nor­ma­li­täts­in­sel. Und Nor­ma­li­tät fühlt sich heu­te fast an wie Hap­py End. Die vor­ge­le­se­nen Tex­te stam­men von unse­ren Ensem­ble-Mit­glie­dern Tho­mas Kölsch, Felix S. Felix und Ben Hergl.

 

Happy-End-Geschichte 15: Frau Burckhardt erklärt die Welt
von Gaby Burckhardt

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Gaby Burck­hardt war vie­le Jah­re Chaw­we­rusch Kollektivmitglied.
Sie war bei Chaw­we­rusch als Dra­ma­tur­gin und Autorin tätig, gemein­sam mit Moni­ka Klee­bau­er lei­te­te sie die Geschäf­te, war PR-Ver­ant­wort­li­che und Ansprech­part­ne­rin im Chawwerusch-Büro. 
Bei den ers­ten gro­ßen Pro­jek­ten „Star­ker Duwak“ (1991) und „Nuff un nun­ner“ (1998) arbei­tet sie in der Pro­jekt­lei­tung mit. 
Gaby beschreibt Ihre Bezie­hung zu Chaw­we­rusch wie folgt: „Alte Lie­be ros­tet nicht.“

 

Happy-End-Geschichte 14: Bücherwurm und Bücherwurm
von Barbara Schüßler

Der Bücher­wurm kniff die Augen zusam­men, das plötz­lich her­ein bre­chen­de glei­ßen­de Licht igno­rie­rend. Doch gleich­zei­tig dran­gen Töne in sein Bewusst­sein, die Buch­sta­ben ver­schwam­men: … das Bim­meln der Kran­ken­wa­gen … nachts, ganz in ihrer Nähe … die Rei­he an ihnen … Nicht an mir! Nein! Noch die­ser Absatz … die­se Sei­te … Wie von fer­ne eine wenig bekann­te Stim­me: »Lek­tü­re für die­se Tage! Nicht zu bekom­men!« Klän­ge, die den düs­te­ren, lei­den­schafts­lo­sen Ruf der Pest ertö­nen lie­ßen. »Wie bit­te? Ach so, ja. Camus.« »Du bist doch schon fast durch.« »Ja. Nein. Nicht ganz.« »Aus­nahms­wei­se? Man kommt doch gar nicht aus dem Haus.« »Irgend­wie doch auch schön.« »Wenn man so ein Bücher­wurm ist wie du!« »Sich zum x‑ten mal so rich­tig rein fres­sen, ganz drin auf­ge­hen.« Ganz wie ich, dach­te der Bücher­wurm. »Ach, bit­te?!« Bit­te nicht! Soll die Rei­he nicht an mir sein! Oh nein: ohren­be­täu­bend der Ton der auf­ein­an­der schla­gen­den Buch­de­ckel. Soll nicht die Rei­he … Hef­tig wir­belnd der Luft­stoß vom Fens­ter. »Wie soll ich dir nur dan­ken?« »Schon gut!« Wir wer­den ja sehen. Als ob es sich da um das klars­te Ding der Welt han­del­te. … Ich habe Schwie­rig­kei­ten mit einer Blu­me … sag­te der klei­ne Prinz. Mit Leich­tig­keit nahm der Bücher­wurm den nächs­ten Buch­sta­ben, das Wort, die Sei­ten: Adieu sag­te er zur Blume …

Bar­ba­ra Schüß­ler arbei­tet u.a. als Thea­ter­au­torin für das Thea­ter unter der Daus­eck (TudD), mit dem das Chaw­we­rusch eine lan­ge Freund­schaft und Zusam­men­ar­beit ver­bin­det. Immer wie­der zeig­te das TudD sei­ne Stü­cke in unse­rem Thea­ter­saal. Die aktu­el­le Pro­duk­ti­on “Deckel drauf! Eine schwar­ze Fami­li­en-Komö­die mit Biss”, von Bar­ba­ra ver­fasst und vom Chaw­we­rusch-Regis­seur Wal­ter Menz­law insze­niert, soll­te eigent­lich im März die­sen Jah­res bei uns gas­tie­ren. Die Vor­stel­lung muss­te auf­grund des Coro­na-Shut-Downs ent­fal­len, soll aber im Dezem­ber die­sen Jah­res nach­ge­holt werden.
Bar­ba­ra über Ihre Bezie­hung zu unse­rem Thea­ter: Das Chaw­we­rusch-Thea­ter ken­ne ich seit 10, viel­leicht auch schon 15 Jah­ren, von denen jedes ein­zel­ne vol­ler schö­ner, inspi­rie­ren­der Begeg­nun­gen ist.

 

Happy-End-Geschichte 13
von Sanna Heidweiler

Mor­gens auf dem Weg zum Kin­der­gar­ten noch schnell beim Bäcker vor­bei, der in einem Senio­ren­wohn­heim liegt.
Kurz vor dem Laden über­holt uns ein jun­ger Mann, schät­zungs­wei­se Anfang 20. Eine Bewoh­ne­rin, gestützt auf ihren Rol­la­tor, ruft ihm laut­hals in schöns­tem Pfäl­zisch nach: „Ach, so schää­ne, hib­sche, jun­ge Män­ner guckt ma doch immer gern nooch!“. Auf mein lachen­des „Da haben Sie aber wirk­lich Recht!“ meint sie nur ganz tro­cken: „Ah jo, alt wärrn se ganz vunn selbscht, gell?!“

San­na Heid­wei­ler ver­bin­det mit dem Chaw­we­rusch eine über 20jährige Zusam­men­ar­beit und Freund­schaft. Sie wirk­te als Schau­spie­le­rin u.a. mit bei „Glau­be, Lie­be, Hoff­nung“ (1999), „Nichts ist so schön als WIE EIN VOGEL durch die Luft zu flie­gen“ (2000) und bei ver­schie­de­nen Sta­tio­nen­thea­tern. Zuletzt war sie letz­ten Som­mer in „Heim­wärts in die Frem­de“ zu sehen.

 

Happy-End-Geschichte 12: Karl-Heinz Rummenigge
von Thomas Kölsch

Las­sen sie mich von mei­nem Bru­der erzäh­len und war­um er, als „Päl­zer Bu“ und ein­ge­fleisch­ter FCK Fan, jah­re­lang ein Karl-Heinz Rum­me­nig­ge Pla­kat in sei­ner Woh­nung hän­gen hat­te. Mein Bru­der ist Schau­spie­ler, wie ich, und zum gro­ßen Teil mit­ver­ant­wort­lich dafür, dass ich die­sen Beruf, die­se Beru­fung, gewählt habe.
Mit­te der 80iger Jah­re war mein Bru­der zum Trek­king in Nepal. Eine ca. 15-köp­fi­ge Rei­se­trup­pe mach­te sich auf Eseln auf den Weg in den Hima­la­ja. Eines Abends, nach einem anstren­gen­den Tages­marsch, kamen sie in ein hoch­ge­le­ge­nes Bergdorf.
Als der Treck den Dorf­platz erreicht hat­te, waren schon sämt­li­che Bewoh­ner ver­sam­melt. Eini­ge hat­ten noch nie „Lang­na­sen“, also Euro­pä­er, gese­hen. Der Chef des Dor­fes ging auf die Trup­pe zu und rede­te mit dem ein­hei­mi­schen Füh­rer. Man kam ins Gespräch und die Teil­neh­mer wur­den vor­ge­stellt. Es kam an mei­nen Bru­der. Er sagt, er kommt aus Deutsch­land, der Gui­de über­setzt und in der Lan­des­spra­che wen­det sich der Bür­ger­meis­ter an sei­ne Dorf­be­woh­ner und erklärt ihnen, wo mein Bru­der herkommt.
Und da ertönt aus einer der letz­ten Rei­hen, im Halb­dun­kel, in ca. 4500 m Höhe mit­ten in Nepal der Ruf: „Karl-Heinz Rum­me­nig­ge!“ Und das gan­ze Dorf, von Groß bis Klein ant­wor­tet mit einem über­zeug­ten und ein­stim­mi­gen „Yeah!“.
Und so kam es, dass mein Bru­der und die ande­ren West­eu­ro­pä­er, als Ehren­gäs­te will­kom­men gehei­ßen wur­den und ihnen, und wohl auch Herrn Rum­me­nig­ge, zu Ehren ein Fest aus­ge­rich­tet wurde.
Dass dabei unter ande­rem Hund ser­viert wur­de, ist eine ande­re Geschichte.

Tho­mas Kölsch ist seit vie­len Jah­ren Ensem­ble-Mit­glied bei uns.

 

Happy-End-Geschichte 11: Happy End
von Esther Steinbrecher

Esther Stein­bre­cher kennt Chaw­we­rusch als Zuschaue­rin seit den spä­ten 80er Jah­ren, war ab Mit­te der 90er eini­ge Male als Regie­as­sis­ten­tin dort tätig und kommt seit den frü­hen 2000ern immer mal wie­der als Gast­re­gis­seu­rin zum Ein­satz, zum letz­ten Mal 2015 bei „Braun wer­den“. Die für 2020 geplan­te vol­le Über­nah­me der Welt­herr­schaft muss­te sie nun coro­nabe­dingt ver­ta­gen, was sie natür­lich sehr nach­denk­lich macht

 

Happy-End-Geschichte 10: Die Brille
von Betty Burk

Es war 1970/1971, ganz genau weiß ich das nicht mehr. Ich hat­te jeden­falls noch kei­nen Füh­rer­schein. Seit zwei Jah­ren muss­te ich eine Bril­le tra­gen. Mei­ne Seh­schwä­che wur­de zu Beginn mei­ner Lehr­zeit fest­ge­stellt — es war für mich sehr schlimm, eine Bril­le tra­gen zu müs­sen (damals waren Bril­len noch nicht chic). Jetzt durf­te ich mir mei­ne zwei­te Bril­le aus­su­chen, die natür­lich viel schö­ner sein soll­te, als die ers­te dicke Horn­bril­le. Die­se neue moder­ne Bril­le lag nun zur Abho­lung bei einem Karls­ru­her Opti­ker bereit und kos­te­te sage und schrei­be 320,— DM. Mei­ne Mut­ter gab mir das Geld und erlaub­te mir, hin­ter­her noch in die Innen­stadt zu fah­ren zum „Bum­meln“. Das Wort Shop­ping kann­te ich damals noch nicht. Ich nahm mei­ne gleich­alt­ri­ge Cou­si­ne mit und wir mach­ten uns mit dem Zug auf den Weg. Bril­le in Karls­ru­he-Mühl­burg abho­len, bezah­len und ab mit der Stra­ßen­bahn in die Innen­stadt. Wir bum­mel­ten durch das Kauf­haus Schnei­der in der Kai­ser­stra­ße und muss­ten auch irgend­wann die dor­ti­ge Kun­den­toi­let­te auf­su­chen. Hier muss ich erwäh­nen, dass mei­ne neue Bril­le die Fähig­keit besaß, sich bei Tages­licht zu ver­dun­keln und als Son­nen­bril­le zu fun­gie­ren. Bei künst­li­chem Licht wur­de sie zwar wie­der hell, aber nicht ganz so schnell. Wir gin­gen also zur Toi­let­te. Beim anschlie­ßen­den Hän­de­wa­schen leg­te ich mei­ne Bril­le auf die Abla­ge unterm Spie­gel, da es mir ein wenig zu dun­kel war. Kur­ze Zeit spä­ter bemerk­te ich mit Schre­cken, dass ich mei­ne Bril­le in der Toi­let­te hat­te lie­gen las­sen. Ich stürm­te zurück, natür­lich war sie nicht mehr da. Das gro­ße Heu­len begann. Wir lie­ßen über die Infor­ma­ti­on des Kauf­hau­ses mehr­fach durch­sa­gen, dass es sich bei die­ser Bril­le nicht um eine gewöhn­li­che Son­nen­bril­le han­delt (was man auf­grund der Fär­bung hät­te viel­leicht anneh­men kön­nen), son­dern um eine teue­re opti­sche Bril­le, die unbe­dingt zurück­ge­ge­ben wer­den soll­te. Es war alles erfolg­los. Schließ­lich gaben wir auf und fuh­ren ziem­lich ver­zwei­felt mit der Stra­ßen­bahn zurück an den Mühl­bur­ger Bahn­hof (ca. 6 km von der Innen­stadt ent­fernt). Am Bahn­hof ange­kom­men, hat­ten wir noch über eine hal­be Stun­de Zeit, bis der nächs­te Zug in die Pfalz ging. Ich schlug vor, zu tram­pen (was damals für uns üblich war) um nicht so viel Zeit zu ver­trö­deln. Mei­ne Cou­si­ne lehn­te dies jedoch ab mit der Bemer­kung, dass heu­te schon zuviel pas­siert sei und schlug vor, in der Bahn­hofs­gast­stät­te noch eine Cola zu trin­ken, bis unser Zug kam. Gesagt — getan. Plötz­lich wur­de mei­ne Cou­si­ne auf eine Frau am Nach­bar­tisch auf­merk­sam. Sie mein­te: „Die­se Blu­se hab ich heu­te schon ein­mal gese­hen! Ich glau­be, die­se Frau war vor­hin zusam­men mit uns im Kauf­haus Schnei­der auf der Toi­let­te.“ Ohne lan­ge zu zögern ging ich schnurstraks auf die Frau zu und frag­te, ob sie vor­hin im Schnei­der auf der Toi­let­te war und ob sie da viel­leicht eine „ver­meint­li­che“ Son­nen­bril­le gefun­den hät­te. Völ­lig über­rum­pelt und ver­dutzt bejah­te die Frau mei­ne Fra­ge. Dar­auf­hin for­der­te ich sie auf, mir mei­ne Bril­le unver­züg­lich wie­der aus­zu­hän­di­gen, da ich die­se drin­gend benö­ti­ge und sie ja schließ­lich ganz neu wäre und ich heu­te dafür 320,— DM bezahlt hat­te. Die Frau griff in ihre Hand­ta­sche und über­gab mir total ver­le­gen mei­ne Bril­le zurück. Sie sag­te, dass sie die Bril­le für eine Son­nen­bril­le hielt, wor­auf ich ihr ant­wor­te­te, dass sie sie auch dann nicht ein­fach hät­te ein­ste­cken dür­fen. Ich kann nicht beschrei­ben, wie erleich­tert ich war, auf solch unge­wöhn­li­che Wei­se mei­ne teue­re Bril­le wie­der bekom­men zu haben. Mei­ne Cou­si­ne sag­te hin­ter­her: „Dann war es doch nicht umsonst, dass vor­hin in der Stra­ßen­bahn eini­ge Vater­un­ser gebe­tet habe.“
Noch heu­te bin ich erstaunt über mei­nen dama­li­gen Mut, die­se frem­de Frau ein­fach ange­spro­chen zu haben.

Bet­ty Burk hat schon unzäh­li­ge Pro­duk­tio­nen von Chaw­we­rusch gese­hen und ist Grün­dungs­mit­glied des Thea­ters Kau­der­welsch Neu­potz, das in Zusam­men­ar­beit mit Chaw­we­rusch im Jahr 2010 ein Sta­tio­nen­thea­ter produzierte.

 

Happy-End-Geschichte 9: Die Rechnung des Schuhmachers
von Walter Menzlaw

nach einer wah­ren Geschich­te aus Herxheim

 

Wal­ter Menz­law ist seit der Grün­dung unse­res Thea­ters 1984 bei Chaw­we­rusch dabei. Er arbei­tet als Autor, Regis­seur und Theaterpädagoge. 

 

Happy-End-Geschichte 8: Ich war da!
von Isabell Jung

 

Isa­bell Jung arbei­tet u.a. als Poe­sie­päd­ago­gin und Autorin. Sie lei­tet die Schreib­werk­statt „Ate­lier der Wor­te“ und schenkt Raum zur sprach­li­chen Ent­fal­tung auf Papier und Büh­ne. Beim Thea­ter­bum­mel unse­res Thea­ters gestal­te­te sie die Mit­mach­ak­ti­on „Poe­Tisch“, für „Die Show“ der Expe­di­ti­on Chaw­we­rusch 2017 und 2018 erar­bei­te­te sie mit Jugend­li­chen the­ma­ti­sche Gastbeiträge.

 

Happy-End-Geschichte 7: Nie mehr da hinunter
von Barbara Schüßler

Da hin­un­ter füh­ren 5 Trep­pen­stu­fen, die das Bür­ger­bü­ro vom Büro für Aus­län­der­an­ge­le­gen­hei­ten trennen.
5 Jah­re und 5 Tau­send Kilo­me­ter tren­nen Ali von sei­nem Geburts­land, von der Bedro­hung durch Ter­ro­ris­ten, die Ent­schei­dung der Mut­ter, den noch nicht 5‑zehn-jäh­ri­gen auf sei­nen gefähr­li­chen Weg zu schi­cken. Bis hier­her. Hier hat er 5 Stun­den lang Aus­kunft gege­ben dar­über, war­um er die­sen Weg gegan­gen ist. Er ist ange­kom­men, hat die Spra­che und eine ande­re Kul­tur gelernt. Es wird ihm gesagt, dass er das Recht hat auf Schutz und Blei­ben. Beschei­nigt auf einem Schrift­stück. Mit Stempel.
Doch gebro­chen wird das Sie­gel und das Papier unge­dul­dig. Eine Blei­be kann nur bekom­men, wer jede noch so klei­ne Regel ein­hält. Aber hier blei­ben musst du! Resi­denz­pflicht und Rei­se­ver­bot. Obwohl doch Deutsch­land ein frei­es Land ist? Für alle Bür­ger Deutsch­lands. Ihnen wird gehol­fen. Wäh­rend der Sprech­zei­ten im Bür­ger­bü­ro. Ver­trau­lich. Anonym. Aus­län­der wer­den auf­ge­ru­fen, mit ihrem Namen. Nur mit Ter­min. Pünkt­lich auf die Minu­te! Da unten.
Im Bür­ger­bü­ro, mit dem Doku­ment eines deut­schen Gerichts, dass Ali einen deut­schen Namen bekommt, per gegen­sei­ti­ger Adop­ti­on als Kind deut­scher Eltern, da ist die drän­gen­de Fra­ge: Nie mehr da hin­un­ter? — Nie mehr da hinunter!

Bar­ba­ra Schüß­ler arbei­tet u.a. als Thea­ter­au­torin für das Thea­ter unter der Daus­eck (TudD), mit dem das Chaw­we­rusch eine lan­ge Freund­schaft und Zusam­men­ar­beit ver­bin­det. Immer wie­der zeig­te das TudD sei­ne Stü­cke in unse­rem Thea­ter­saal. Die aktu­el­le Pro­duk­ti­on “Deckel drauf! Eine schwar­ze Fami­li­en-Komö­die mit Biss”, von Bar­ba­ra ver­fasst und vom Chaw­we­rusch-Regis­seur Wal­ter Menz­law insze­niert, soll­te eigent­lich im März die­sen Jah­res bei uns gas­tie­ren. Die Vor­stel­lung muss­te auf­grund des Coro­na-Shut-Downs ent­fal­len, soll aber im Dezem­ber die­sen Jah­res nach­ge­holt werden.
Bar­ba­ra über Ihre Bezie­hung zu unse­rem Thea­ter: Das Chaw­we­rusch-Thea­ter ken­ne ich seit 10, viel­leicht auch schon 15 Jah­ren, von denen jedes ein­zel­ne vol­ler schö­ner, inspi­rie­ren­der Begeg­nun­gen ist.

 

Happy-End-Geschichte 6: Die Prophezeiung
von Felix S. Felix


Felix S. Felix
 ist seit der Grün­dung unse­res Thea­ters 1984 Ensem­ble-Mit­glied bei uns.

 

Happy-End-Geschichte 5
von Sanna Heidweiler

Sams­tag­nach­mit­tag. Ich (eine über­mü­de­te Mut­ter) quä­le mich mit dem Gro­ßen (im Kin­der­wa­gen), der Klei­nen (in der Tra­ge) und einem schwe­ren Ein­kaufs­korb durch den über­füll­ten Super­markt. In der Gemü­se­ab­tei­lung schenkt mir ein Herr ein auf­mun­tern­des Lächeln. Als wir uns auf dem Park­platz wie­der begeg­nen, sagt er ganz unver­mit­telt: „Mei­ne Frau und ich haben vier Kin­der groß­ge­zo­gen, das letz­te ist seit zwei Mona­ten aus dem Haus. Und ich sage Ihnen, Sie schaf­fen das!“

San­na Heid­wei­ler ver­bin­det mit dem Chaw­we­rusch eine über 20jährige Zusam­men­ar­beit und Freund­schaft. Sie wirk­te als Schau­spie­le­rin u.a. mit bei „Glau­be, Lie­be, Hoff­nung“ (1999), „Nichts ist so schön als WIE EIN VOGEL durch die Luft zu flie­gen“ (2000) und bei ver­schie­de­nen Sta­tio­nen­thea­tern. Zuletzt war sie letz­ten Som­mer in „Heim­wärts in die Frem­de“ zu sehen.

 

Happy-End-Geschichte 4: Quadratum magicum
von Silke Bender

Mann­heim leuch­te­te. Na und wenn schon. Hei­ße Fas­sa­den, kalk­weiß-blen­den­der Putz zwi­schen abge­si­ff­tem, halb besprüh­tem Muschel­kalk um Mehr­fa­mi­li­en­si­los – der Gang über Markt- und Para­de­platz war für Giro auch heu­te kei­ne Freu­de. 24 Grad schon um sie­ben Uhr mor­gens und der Asphalt roch ein­deu­tig nach zwei Wochen ohne Regen – na da freue sich wer kann über die­sen ers­ten Junitag!
Spä­ter auf dem Rück­weg war es dann schon dunk­ler, über der bar­ro­cken Fas­sa­de von St. Sebas­ti­an brau­ten sich Wol­ken zusam­men, aber das muss­te nichts hei­ßen. Die Dunst­glo­cke überm Kes­sel ist das ers­te Erken­nungs­zei­chen von Mann­heim, wenn man aus dem Wes­ten kommt und kann oft tage­lang dun­kel-düs­ter aber kno­chen­tro­cken blei­ben. Schon bei­na­he am Haus­ein­gang zur Woh­nung ange­kom­men, fiel Giros Blick auf den neu­en Laden an der Ecke. Da ließ er spon­tan sein inne­res Orches­ter einen klei­nen Salut spie­len: „Ta-ta-ta-ta! Döner­la­den Nr. 783 – auch er wird kei­ne Markt­lü­cke schlie­ßen!“ Aber ein biss­chen Bakla­va und eine Tas­se Tee wären ja ganz nett.
Drin­nen dann erst mal kei­ner, „Hal­lo!?“
Aus der Tür hin­ter der The­ke kam eine Frau in Jeans und Ori­ent­blu­se. Haa­re bis zum Hin­tern, dunk­le üppi­ge Locken, ein Lächeln wie Sche­he­ra­za­de: „Hi, sor­ry, wir räu­men gra­de noch ein, was magst du? Das Bakla­va hier ist nach einem Spe­zi­al­re­zept mei­ner Groß­mutter gebacken.“
Giro, mit Dau­er­g­rin­sen zurück auf der Stra­ße, hielt die kleb­ri­gen Süß­tei­le fest und merk­te nicht mal, dass sein Shirt Fle­cken bekam. Die Din­ger schmeck­ten auch noch, als die ers­ten Trop­fen fie­len. Som­mer­re­gen in den Qua­dra­ten riecht nach Kokos, Kar­da­mom und ein wenig nach Klee.

Sil­ke Ben­der hat das Chaw­we­rusch Thea­ter zum ers­ten Mal als Stu­den­tin gese­hen, als es „Trotz alle­dem“ auf Som­mer­tour­nee 1997 spiel­te. Sie war hell­auf begeis­tert und ist es immer noch. Seit 2015 arbei­tet sie selbst als Refe­ren­tin für Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit bei der frei­en Büh­ne in Herxheim.

 

Happy-End-Geschichte 3: Die Geschichte vom Reisen
von Judith Achner

Stets woll­te sie reisen
Und woll­te nie bleiben.
Stets woll­te sie scheiden
Von hier und dem Jetzt.
Und immer nur Zie­hen und immer nur Schweifen
Bloß nie­mals Still­stand, kein inne­res Reifen.

Wenn sie das dröh­nen­de Rau­schen der star­ten­den Maschi­nen ver­nahm, wur­de es ruhig in ihr. Auf dem Weg zwi­schen zwei Wel­ten – zwei Leben – ver­spür­te sie inne­re Ruhe.
Tran­si­to­ri­scher Raum. Kein Ges­tern. Kein Mor­gen. Nur weg! Das Vor­bei­flie­gen von Städ­ten, Orten, Men­schen, Geschich­ten, Schick­sa­len, die man nie erkun­den, nie ken­nen, nie ler­nen, nie mit­füh­len wür­de. All das war beru­hi­gend. Es gab so viel da drau­ßen. So unend­lich viel. Da wür­de für sie doch auch etwas dabei sein. Irgend­wo. Man müss­te nur lang genug suchen.
Und mit einem Mal wur­de ihrem gan­zen bis­he­ri­gen Sein Ein­halt gebo­ten  – ihr tran­si­to­ri­sches Ich zum Still­stand gezwun­gen. Kein Ges­tern. Kein Mor­gen. Nur Jetzt!
Als die ers­te Wel­le der Angst hin­ter ihr lag, öff­ne­te sie die Augen und sah klar. Als wür­de sich der Dunst und Nebel erhe­ben. Sie sah die Stadt, den Ort, die Men­schen, ihre Geschich­ten und Schick­sa­le und sie fühl­te so viel. Und etwas lös­te sich in ihr und sie blick­te in sich hin­ein und sprach:

Jetzt muss ich nicht reisen
Und darf ein­fach bleiben
Jetzt werd ich nicht scheiden
Von hier und dem Jetzt.
Jetzt muss ich nicht zie­hen und auch nicht mehr schweifen
Jetzt werd ich hier stehn und inner­lich reifen.

Judith Ach­ner kennt Chaw­we­rusch durch ihre lang­jäh­ri­ge Weg­ge­fähr­tin und liebs­te Büh­nen­part­ne­rin Miri­am Grimm. 2017 und ´18 stand Judith als Mia in „demut vor dei­nen taten baby“ im Chaw­we­rusch Thea­ter auf der Büh­ne. Außer­dem war sie im Novem­ber letz­ten Jah­res zu Gast bei “Frau Miri­am lädt ein”.

 

Happy-End-Geschichte 2: Vroni, denk an dein Pony! 
von Monika Kleebauer

Es war ihr größ­ter Her­zens­wunsch, seit sie am ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag die „Mädels vom Immen­hof“ im Fern­se­hen gese­hen hat­te. So eine tie­fe Sehn­sucht hat­te sie über­rollt, dass sie wei­nend in ihr Zim­mer rann­te und die Trä­nen bis zum Abend nicht auf­hö­ren woll­ten. Kei­nes ihrer Geschwis­ter konn­te sie trös­ten. Wie denn auch? Konn­ten Sie doch nicht nach­voll­zie­hen, was es für Vro­ni bedeu­te­te, sich auf den Rücken eines Ponys zu träu­men. Ein schwarz-weiß Gescheck­tes, das sie im flie­gen­den Galopp über üppi­ge Wei­den trug.
Kein Tag ver­ging, an dem Vro­ni nicht über „ihr“ Pony sprach. Heim­lich ent­wen­de­te sie aus der Büro­schub­la­de ihres Vater die gute Papier­sche­re, schnitt am Stra­ßen­rand alles fri­sche Gras ab und leg­te die Hal­me sorg­fäl­tig hin­ter der Hüt­te im Gar­ten in die Son­ne, damit „Dina“ – so soll­te ihr Pony hei­ßen – genü­gend zu schmau­sen hatte.
Allen erzähl­te Vro­ni von ihrem Wunsch, sogar dem Zahn­arzt Rückin­ger, als sie bei ihm auf dem Behand­lungs­stuhl saß. Als ein Zahn gezo­gen wer­den muss­te und Vro­ni bock­te, gelang es ihm, sie zu beru­hi­gen: „Vro­ni, denk an Dein Pony!“.
Vro­ni war sich ganz sicher: An ihrem neun­ten Geburts­tag wür­de ihr Wunsch in Erfül­lung gehen! Schon die Tage davor hat­ten ihre Geschwis­ter immer mit­ein­an­der getu­schelt und sofort auf­ge­hört zu spre­chen, wenn sie in die Nähe kam.
Und dann war er da, der 28. Juni. Schon bei Son­nen­auf­gang sprang Vro­ni mit einem Satz aus dem Bett und schau­te aus dem Fens­ter. Aber: kein Pony stand unten im Gar­ten. Beim Geburts­tags­früh­stück gab es Him­beer­rol­le wie jedes Jahr und jede Men­ge Pfer­de­bü­cher. Der Tag ver­ging mit Glück­wün­schen von Opa, Oma, Tan­ten und Onkeln. Aber kein Pony. Vro­ni wag­te nicht zu fra­gen, denn ein biss­chen Hoff­nung heg­te sie, dass ihr Traum doch noch in Erfül­lung gehen könn­te. Es war schon spät, als sie anfing, sich lang­sam aus­zu­zie­hen. Sie angel­te nach ihrem Pyja­ma, der war mit bun­ten klei­nen Pfer­den bedruckt. Da hör­te sie einen klei­nen Stein an ihr Fens­ter schlagen.
Unten im Hof saß ihr Bru­der Axel auf einem Rie­sen­gaul und wink­te hoch: „Alles Gute zum Geburts­tag! Darf ich vor­stel­len, das ist Dora. Vom Bau­er Neid­lin­ger. Die darfst Du jetzt jeden Tag in den Stall rei­ten, wenn Du magst. Ist das nicht duf­te?“ Vro­ni nick­te mit Herzklopfen.

Moni­ka Klee­bau­er ist seit der Grün­dung unse­res Thea­ters 1984 Ensem­ble-Mit­glied bei uns.

 

Happy-End-Geschichte 1: Und wenn sie nicht gestorben sind
von Jean-Michel Räber


Jean-Michel Räber schrieb für Chaw­we­rusch auf Grund­la­ge von Impro­vi­sa­tio­nen mit dem Ensem­ble das Stück “Liber­té, wir kom­men! Wie die Fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on und die Pfalz kam”, das ursprüng­lich Anfang Juni die­sen Jah­res Pre­mie­re haben soll­te. Die Pre­mie­re ist wegen der Coro­na-Pan­de­mie auf Som­mer 2021 verschoben. 

(Die Bei­trä­ge aus der vor­he­ri­gen Rei­he „Drinbleiben.Dranbleiben.“ fin­den Sie auf unse­rem You­Tube-Kanal.)