Donaukinder – Pressestimmen

Beitrag zu Kultursommer-Eröffnung auf SWR Rheinland-Pfalz in der Sendung „SWR aktuell“ vom 6.5.2022:

 

„Donaukinder“ zeigt die tragische Familiengeschichte der Geiers, die als Donauschwaben – also deutsche Einwanderer im Banat – im heutigen Rumänien ihr Glück versuchten und dabei entzweit wurden. (…) Das Chawwerusch Theater zeigt mit „Donaukinder“ ein Stück voll schmerzlicher Umbrüche und vielen Facetten.
(SWR 2, Journal am Mittag, 06.05.2022)

Chawwerusch, und darin liegt der Zauber dieser Aufführung, gibt diesen Menschen eine Stimme. Eine authentische, teils im originalen Dialekt, frei von Verklärung und doch voller Zuneigung zu den Figuren – so wie es diese Theatergruppe seit je mit großem Erfolg tut.
Politisch ist das Stück auch. Es geht darum, wer uns verrät und wem wir vertrauen können, wenn ein Staat für sich in Anspruch nimmt, in die privatesten Winkel unseres Daseins schlüpfen zu dürfen. (…)
Regisseur Uwe John hat alle diese Erzählstränge zu einer plausiblen und kurzweiligen Inszenierung zusammengebunden. Der Autor Fioriti schlüpfte bei der Premiere für den erkrankten Thomas Kölsch kurzfristig in eine Doppelrolle und meisterte die Herausforderung bravourös.
Wenn das Ensemble immer so spielt wie in Herxheim, dann stehen dem Tourneepublikum vergnügliche Stunden bevor. Über die Darstellungskunst der Chawwerusch-Schauspieler Ben Hergl und Stephan Wriecz wurde ja schon oft geschrieben. Beeindruckend ist die Bühnenpräsenz der Gastschauspielerinnen Kerstin Kiefer und Claudia Olma. Und großartig, weil dicht und glaubwürdig, ist der junge Alexander Müßig als Enkel Lukas.
(Rolf Gauweiler in DIE RHEINPFALZ, 09.05.2022)

Da wird Akkordeon gespielt und getanzt zur Kirchweih, da wird aber auch emotional politisiert aus Sicht derjenigen, die regiert werden. Auch Verfremdungsmomente à la Bertolt Brecht baut das Ensemble gerne ein, etwa das sehr schöne Puppenspiel samt Bänkelsängerin, das von der Auswanderung der Pfälzer und Lothringer von Ulm aus (daher der Begriff der Donauschwaben) erzählt. Bei den „Donaukindern“ gibt es aber auch einen ganz unverfremdeten Blick auf das innere Ringen der Protagonisten: das des Sohns um das Andenken an einen Vater, der am Tag der Flucht nicht am Bahnhof auftaucht; das der Daheimgebliebenen um ihren ganz persönlichen Anteil an der Schuld, und das der Alteingesessenen um den Erhalt ihrer ländlichen Heimat, die dem Untergang geweiht scheint.
(Birgit Möthrath in DIE RHEINPFALZ, 09.05.2022)