Ansteckende Freiheit – Stückinfo

Wie die Französische Revolution in die Pfalz kam

Im November 1792 richten Bergzaberner Bürger an den Nationalkonvent in Paris den Antrag auf Aufnahme in die Französische Republik. Ermuntert durch den Wagemut freiheitsbegeisterter Bürger*innen beginnen erste demokratische Gehversuche.
Nach einer längst vergangenen, wahren Begebenheit in der Südpfalz – ansteckend für alle Demokrat*innen dieser Welt, heute und in Zukunft.

1792. Die Bergfinken sitzen in Bergzabern auf den Dächern und zwitschern Neuigkeiten aus dem Nachbarland, aus Frankreich. Sie zwitschern von „Revolution, Blut und neuen Machtverhältnissen“. Die junge Wirtstochter Charlotte lauscht ihnen neugierig, während sie sich in den Wald zum Holzsammeln schleicht. Erwischen lassen darf sie sich nicht, Holzsammeln hat der Herzog von Pfalz-Zweibrücken unter Strafe gestellt. Im Oberamt Bergzabern – und nicht nur dort – erklingt das uralte Klagelied von Teuerung und Fürstenwillkür. Im „Wirtshaus zum Türkischen Kaiser“ versammeln sich deshalb Bergzaberner Bürger*innen und verfassen eine Beschwerde an den Herzog. Doch dieser will alles aussitzen. Als dann der Wirt für das Einreichen der Beschwerde auch noch bestraft wird, sind die Bergzaberner mit ihrer Geduld am Ende. Im türkischen Kaiser wird hitzig diskutiert. Das Zwitschern der Bergfinken schwillt an und die Neuigkeiten aus aller Welt lassen auch eine andere staatliche Ordnung denken und in den Köpfen der Menschen Gestalt annehmen – die Revolution der Franzosen schwappt über!
Nach einer feierlichen, freiheitlichen Prozession wählen die Bergzaberner Charlottes Vater zum „Maire“, der Eid auf die Revolutionsformel wird abgelegt und die Aufnahme in die Französische Republik beantragt. Kokarden werden ausgeteilt, ein Freiheitsbaum aufgestellt, das herzogliche Wappen mit Hammer und Meißel dauerhaft entfernt.
Vier Monate bevor Mainz seinen Freiheitsfrühling erlebte und zur Tochterrepublik der Franzosen wurde, hatten sich Bergzabern und die umliegenden Ortschaften vom Herzogtum Pfalz-Zweibrücken losgesagt. Doch die Antwort aus Paris lässt fünf Monate auf sich warten. Die freien Bürger*innen organisieren sich selbst und so beginnen in der „Bergzaberner Republik“ erste demokratische Gehversuche in der Südpfalz.
Politik lebt von den Menschen – von denen, die unabsichtlich in die Politik hineingeraten ebenso, wie von Menschen, die sie absichtsvoll gestalten. So wie die junge Charlotte, die ihrer Zeit weit voraus ist …

Es spielen
Felix S. Felix, Arthur Gander, Miriam Grimm, Ben Hergl, Monika Kleebauer, Thomas Kölsch, Melina Schöfer und Stephan Wriecz

Buch
Jean-Michel Räber

Regie
Uwe John

Bühnenbild
Gerd Friedrich

Kostümbild
Kristina Baumert

Musik und Komposition
Moritz Erbach

Regieassistenz
Angelika Drexler-Ferrari

Premiere am 5. Juni 2020 in Bad Bergzabern

Gefördert vom Kultursommer Rheinland-Pfalz sowie der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.